19.11.12

Partymädchen


Du betrittst den Club, überall tanzende Menschen, schillernde Lichter über und neben dir, laute Musik die aus den Lautsprechern dröhnt. Weil das Gedränge so unüberschaubar ist gehst du zur Bar und besorgst dir einen Drink um "warm zu werden". Die Wahrheit ist das du dich vor dem Tanzen schämst und ein pushing brauchst. Nachdem du mit all deinen Freunden auf den Abend angestoßen hast begibst du dich auf die Tanzfläche. Nach mehreren Bullgemischen und den Tequila-Runden fühlst du dich selbstbewusst genug um zu tanzen. Nach einer Weile gesellen sich immer mehr lüsternde Jungs zu dir und deinen Freundinnen. Sie alle hoffen das du gegen Ende dieser berauschten Partynacht betrunken genug bist um mit ihnen zu verschwinden. Du machst ihnen Hoffnung und tanzt lasziv mit den armen Jungen die sich, wie jeden Abend, auf Sexentzug befinden. Durch den Alkohol ist deine Wahrnehmung getrübt und du findest sie plötzlich "gar nicht so schlecht." Ein Drink hier, ein Drink da. Seit drei Stunden tanzt du nun schon auf der Tanzfläche, die Lichter umkreisen dich, du mit deinem schönen Kleid und den glänzenden Haaren, perfekt für diesen einen Abend. Wie lange du wohl vor dem Spiegel standest um so makellos auszusehen? Doch irgendwann werden deine Schritte schwerer, die Musik schlechter und deine Tanzpartner aufdringlicher. Verzweifelt schiebst du dich an den verschwitzen Körpern auf der Tanzfläche vorbei, eilig stellst du dich in die lange Schlange von Mädchen die sich vor den Waschbecken tummeln. Du willst dich nicht im Spiegel ansehen, Angst davor nicht mehr perfekt auszusehen, und stürmst in eine gerade frei gewordenen Kabine. Überall liegen Klopapierfetzen, leere Gläser und Strohhalme von den Mädchen, die sich heimlich auf der Toilette noch etwas Mut antrinken mussten. Du hast genug und willst nachhause, wieder vorbei an den Menschen die auf einmal alle nur noch unrythmisch durch die Gegend stampfen. Endlich draußen angekommen öffnest du die Türe des nächstbesten Taxis, du lallst die Straße in der du wohnst und bemühst dich die ganze Fahrt über wach zu bleiben. Der Taxifahrer fragt dich ob es in dem Club ziemlich voll war. Weil du denkst das er ein bisschen mit dir plaudern will antwortest du überschwänglich das dort jede Menge los gewesen ist. Doch der Taxifahrer wollte eigentlich nur von dir wissen ob es sich lohnt, nachdem er dich nachhause chauffierte, ein weiteres Mal dorthin zu fahren um neue, betrunkene Kunden aufzusammeln. Die ganze Fahrt über versuchst du komplett betrunken dem Taxifahrer die Welt zu erklären, er schmunzelt nur und hofft das seine Schicht bald beendet ist. Du steckst ihm ein paar Cent Trinkgeld zu, das zählen der Scheine war schon schwer genug, reißt die Türe auf und gehst die letzten Meter bis zu deiner Haustüre. In deinem Zimmer lässt du dich auf dein Bett fallen, alles dreht sich. Du versuchst einzuschlafen doch es geht nicht. Nach einer Weile stehst du auf um dir ein Glas Wasser zu holen. Im Bad blickst du seit langem mal wieder in den Spiegel. Du siehst aus wie ein Panda mit Depressionen. Du beugst dich über die Kloschüssel. Nichts ist mehr übrig von dem hübschen, lächelnden Mädchen mit den glänzenden Haaren. Du weißt ganz genau das sich nächstes Wochenende alles wiederholt. Trotzdem schwörst du dir nie wieder so viel zu trinken. Und wieder wirst du es brechen. 


Foto via tumblr
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