01.12.12

Das traurige Lebkuchenhaus


Als kleines Kind habe ich mir oft ein Lebkuchenhaus gewünscht. Ein Lebkuchenhaus mit einer ordentlichen Menge an Schokoladenüberzug, Smarties  und anderem Süßkram. Immer wieder habe ich Backrezepte ausgeschnitten, in der Wohnung verteilt, Lebkuchenhäuser aus Papier gebastelt und bunt angemalt. Meine Mutter hat sich damals sehr über meine Kreativität gefreut, ein echtes Lebkuchenhaus habe ich trotzdem nicht bekommen. Es tat unglaublich weh als ich letzten Abend ein solches im Mülleimer einer Bushaltestelle gefunden habe. Es war mit ordentlicher Kraft in die Öffnung des Mülleimers gedrückt worden. Lieblos. Ich konnte nicht wiederstehen und habe es berührt, die Gummibärchen und Smarties waren durch die eisigen Außentemperaturen hart und kalt. Um die Öffnung des Mülleimers herum lagen Millionen kleine Brösel von dem guten Lebkuchen. Am liebsten hätte ich es herausgezogen und mitgenommen (Was mir dann doch als ein wenig zu übertrieben erschien). Mein erster Gedanke war, dass das Lebkuchenhaus vielleicht von einem Jungen gebacken wurde der damit seine Freundin überraschen wollte. Die beiden haben sich draußen zu einem romantischen Winterspaziergang getroffen und er hat es ihr mitgebracht. Sie hat sich sehr darüber gefreut, ist ihm um den Hals gefallen, sie haben sich geküsst und minutenlang umarmt. Irgendwann müssen sie sich wohl über das letzte Wochenende unterhalten haben und er hat ihr gestanden, dass er auf der letz-ten Party mit ihrer besten Freundin rumgeknutscht hat. Ihr wurde klar, dass er sich mit dem Lebkuchenhaus wieder bei ihr einschmeicheln wollte. Daraufhin hat sie es wütend in den Mülleimer gedonnert und ist mit dem nächsten Bus davongefahren. Eine Wintergeschichte ganz nach meinem Geschmack.
Heute habe ich meinem Vater  von dem Lebkuchenhaus erzählt. Dieser hatte jedoch hat eine etwas andere Version der Geschichte vor Augen:  Das Mädchen bekommt also das Lebkuchenhaus von ihrem Freund überreicht, übermütig  umarmt sie ihn, das Haus fällt ihm aus der Hand, hinunter auf den Boden. Geschockt darüber das man es nun nicht mehr essen kann – Es gibt Hunde die einfach so auf den Boden kacken! – wird das Lebkuchenhaus vorsorglich entsorgt.
Das ist typisch mein Vater. Wie das Lebkuchenhaus wohl tatsächlich in den Mülleimer gekommen ist wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Ich allerdings kann mich freuen: Mein Lieblingspapi hat meiner Mama erzählt das das doch eine wunderbare Überraschung für den ersten Advent wäre. Jetzt bin ich glückliche Besitzerin eines Lebkuchenhauses. Meine Eltern haben es mir auch zuhause überreicht. Sicher ist sicher, nicht das es auf der schmutzigen Straße herunterfällt. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen schönen ersten Advent!



Foto via tumblr
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